Elmar Pichler-Rolle neuer Chefredakteur der „Dolomiten“ Da rollt was an.
Der Hintergrund
Die Übermutter der Athesia, Frau Martha Ebner, ist 102 Jahre alt. Genau so unkaputtbar schien der Stand von Sohn Toni zu sein, der als Chefredakteur seit 1995 die „Dolomiten“ führt, das traditionsreiche Tagblatt der Südtiroler und Flaggschiff des Athesia-Verlags. Aber am 28. Feber 2025 schreibt Toni Ebner seinen letzten Leitartikel auf der Titelseite seiner „Dolomiten“. Schon zuvor hatte er sich von seinen Redakteuren und Druckern verabschiedet („Danke Toni“, Dolomiten, 1./2. März). Vorausgegangen war ein überraschender Generationenwechsel in der Führung der Athesia-Kernbereiche und wohl auch eine generationsbedingte Wende im Beziehungsgeflecht der Eigentümerfamilie Ebner. Die Familie von Toni Ebner Jun. löste sich gegen Ende 2024 ganz aus der E&E-Mehrheitseigentümergesellschaft. Früher als geplant kam nun auch die Ablöse als Kapitän des Verlagsflaggschiffs „Dolomiten“.
Der Wechsel
Beobachter von außen hätten gemeint, dass Tonis treuer und ewiger Vize-Chefredakteur Günther Heidegger den Chefsessel der „Dolomiten“ besetzen würde. Als dieser sich jedoch für das Bürgermeisteramt seiner Heimatgemeinde Kaltern bewirbt, ahnt man, dass der Verlag einen sauberen Schnitt im Sinn hat. Prompt tritt ein ganz Anderer aus den Kulissen heraus.
Mit 1. März 2025 ist Elmar Pichler-Rolle der neue Chefredakteur. Ein alter Athesia-Hase. In Jugendjahren ein begnadeter Sportreporter bei Südtirols erstem privaten Fernsehsender (Telesüdtirol, Naturns), trat er als Bozner und Sohn des legendären Friseurs Rolle am Kornplatz alsbald in die Athesia ein und machte dort Karriere als Journalist. Auf dem Höhepunkt der Verlagsmacht der Athesia unternahm Rolle den Sprung in die große Politik. Mit dem Riecher, dass die Zeit des Großen Alten (Luis Durnwalder) zu Ende ging, setzte Rolle (und mit ihm wohl auch die Athesia) zum großen Sprung an: zuerst Parteiobmann (2004), dann Landtagsabgeordneter (2008), aber dann… Rückschlag. Rolle hatte keine Chance gegen Arno Kompatscher. Doch die Athesia bewahrte ihm ein Plätzchen im Hintergrund. Aus dem er nach 11 Jahren wieder hervor steigt wie ein gereifter Phönix.
Rock’n Rolle!
Chefredakteur Elmar Pichler-Rolle führt sich auf den Seiten seiner Zeitung recht geschickt in seine neue Aufgabe ein. Er kennt sich aus, m Laden und im Fach. Sagt, er wolle sich behutsam einarbeiten, Neues vorzu mit der Redaktion erarbeiten. Das ganze Land aber stellt sich die Frage: Wird sich das Blatt in der „Dolomiten“ ändern? Rockt Rolle die Dolomiten-Stones? Im ersten Hausinterview sagt Rolle, er wolle in der Zeitung Meinung und Bericht, Kommentar und Fakt klar trennen (in Dolomiten, 3. März). Klingt altmodisch, ist aber revolutionär. Für Pressekenner geradezu eine Sensation.
Herkulesarbeit
Was wie eine Uralt-Regel aus dem Zeitungsfach daherkommt, ist in Wirklichkeit höchst ungewöhnlich und ein kluger Schachzug. Aber eine Herkulesarbeit. Kann Rolle dem polarisierenden Meinungsjournalismus unserer Tage etwas entgegensetzen und diesen Kampf sogar gewinnen? Ich drücke ihm die Daumen.
Sobriety First!
(Nüchternheit zuerst!) Für Athesias und Südtirols Hauszeitung „Dolomiten“ ist eine Rückkehr zu sauberer und nüchterner Berichterstattung aus der Mitte der Gesellschaft höchst notwendig. Dass und wie sehr die „Dolomiten“ in den vergangenen Jahren in den Strudel des moralisierenden und somit spaltenden Meinungsjournalismus geraten ist, zeige ich in einem folgenden Beitrag auf.