Die Ebner-Dolomiten zwischen Journalismus und Tifoseria
In der Weltpolitik sollte es nicht um „Tifoseria“ gehen, meint Giorgia Meloni zu Recht. Tifo ist der Fan. Das italienische Wort, gleichlautend wie Typhus, kommt aus dem Hellenischen ‚typhein’und bedeutet dampfen, brennen, Schwung, Wind, Sturm. Die poitische Tifoseria ist das Denken in Emotionen, Glaubensbekenntnissen und ergebener Zugehörigkeit anstelle von kühler Vernunft, scharfer Beobachtung und ausgewogenem Urteil. Eine Zeitung sollte mäßig Tifo sein und viel lieber unbestechlicher Berichterstatter und Vermittler von Verständnis. Eine klare Meinung haben neben und außerhalb der Berichterstattung ist eine alte Tugend, die heute im Konkurrenzkampf der Medien dahinschmilzt. Aber lauter bunte Kampagnen und ebenso vollmundige wie einseitige Glaubensbekenntnisse verleiten dazu, sich in irgendwas festzubeißen und sich der „Tifoseria“ (Tifoserie) hinzugeben. Peinlich, wenn der Rausch verflogen ist und sich die Dinge als andersherum erweisen. Genau das ist dem Tagblatt der Südtiroler, der „Dolomiten“, in den letzten fünf Jahren von 2020 bis 2025 verstärkt passiert.
Die Dolomiten-Fallgruben
2020 ist die Dolomiten völlig unkritisch in das Corona-Loch gefallen. Lockdown aka staatliche Freiheitsberaubung nicht schlimmer als ein Aperitiv.
2021 ist für die Dolomiten das Covid-Impfen reine Nächstenliebe und die Gentechnik-Spritze ein Triumph der Wissenschaft. Warnende Stimmen kamen ausschließlich von Dummköpfen und Verschwörungstheoretikern.
2022 ist die Dolomiten emotional in das Ukraine-Loch gefallen. Die korrupte Retorten-Republik von Gnaden der Briten und Amerikaner ist das unschuldige, grausam überfallene demokratische Land, die Russen sind Monster, angeführt von einem bluttriefenden Tyrannen und Kriegsverbrecher, dem abscheulichen Putin. Ergreifende Titelbilder von weinenden Frauen und Kindern.
2023 ist für die Dolomiten der Klimawandel ein Weltenbrand à la Greta und die heimischen Propheten dürfen da nicht fehlen.
2024 ist für die Dolomiten der Herr Trump ein „Möchtegern-Diktator“ und Schlimmeres, Kamala hingegen die Lichtgestalt. Die Kolumnisten Spang und Schroeder ebenso wie die APA/dpa auf den ersten Innenseiten speien Gift und Galle gegen den großen Blonden.
Rückzug auf ganzer Linie
Auf allen diesen hyper-ideologischen Kampf-Fronten musste die Dolomiten unter dem Gewicht der Fakten zurückrudern und still beigeben – wie der Rest der Welt auch.
Heimische Tifoserie
Der Kampagnen- und damit Anti-Journalismus der Dolomiten bis Stichtag 1. März 2025 nicht nur auf die großen globalen Böcke beschränkt. Seit Jahren ist in der Dolomiten der Frauentag am 8. März Spielwiese für den spießigsten Aggro-Feminismus, den man sich vorstellen kann.
Seit Jahren wird in der Dolomiten die Verkehrswende mit der Huldigung öffentlicher Kollektiv-Verkehrsmittel hart an der Grenze zur Propaganda vorangeschrieben. Manchmal folgt man dem öffentlichen Auftraggeber in seiner Schleichwerbung, manchmal ist es auch nur die Tifoserie weiblicher Redakteure für weibliche Führungsgestalten.
Ent-Schuldigung und Hoffnung
Unbeschadet von der hier vorgebrachten Kritik und Warnung bleibt die Dolomiten eine herausragend gut gemachte Tageszeitung. Es gibt noch so viele Beispiele für wertvolle, gut recherchierte und ausgewogene Zeitungsarbeit, besonders wenn sie die vertraute heimische Belange wiedergeben. Trotzdem tut der neue Chefredakteur Elmar Pichler Rolle gut daran, mehr Nüchternheit gerade auf den ersten Seiten in das Blatt zu bringen. Bescheidene Zeichen der Hoffnung gibt es bereits.