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BAUERNLAND

Georg Dekas
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11. März 2025

In Südtirol haben die Bauern großen politischen Einfluss. Fast wie in der Schweiz.

Im Newsletter der NZZ habe ich einen bemerkenswerten Artikel von Matthias Benz entdeckt (am 11. März 2025): ‚Wirtschaftliche Zwerge, politische Riesen: warum die Bauern in der Schweiz so einflussreich sind‘ (Link). Zu meinem Erstaunen sind die Verhältnisse bei uns in Südtirol sehr ähnlich (wir könnten ein Kanton der Schweiz sein).

Bauern in der Politik

Die NZZ stellt fest: Starke Vertretung der Bauern in der Politik, obwohl sie in der Schweiz nur 2,3% aller Beschäftigten ausmachen und nur mit 0,6% zur Wirtschaftsleistung (BIP) beitragen. Der Bauernstand stellt 10% aller Abgordneten im Bundeshaus in Bern (8% in Österreich, 0,3% in Italien). „Ein Grund ist, dass sich die Landwirte besonders gut organisieren können“, so die NZZ. Selbiges trifft besonders auf Südtirol (und Österreich) zu, meine ich: Im Südtiroler Landtag sitzen sieben eingetragene Landwirte (20% der Abgeordneten, das Doppelte der Schweiz), weitere fünf Abgeordnete in Bozen haben einen klaren bäuerlichen Hintergrund.

Es geht um die Existenz

Das Organisationsgeschick allein erklärt die starke politischen Stellung der Schweizer Bauern nicht ganz. Des Pudels Kern ist laut Matthias Benz (NZZ), dass die Schweizer Bauern vom Markt allein nicht leben können und daher stark vom Staat bezuschusst werden. 40% bis 50% des landwirtschaftlichen Einkommens der Schweizer Bauern stammen von der Allgemeinheit, entweder als direkte Subventionen oder als Preisstützen. Die öffentlichen Zuwendungen sind also entscheidend für das Überleben – das motiviert. Und da die Bauern eine kleine Gruppe sind, läuft die politische Organisation leichter und wirksamer als bei großen Interessen-Gruppen. Die Schweizer Bauern seien im Grunde Staatsangestellte, meint Benz.

Südtirol ist Schweiz zum Quadrat

Das alles trifft für Südtirol ebenso zu, ja sogar noch stärker, wenn man die bäuerlichen Familien berücksichtigt: Es gibt kaum Familien, wo Ehefrauen und Töchter nicht im Landesdienst oder in öffentlichen Einrichtungen beschäftigt sind. Zum politischen ebenso wie zum gesellschaftlichen Einfluss der Bauernschaft in Südtirol trägt bei nicht allein das Wirtschaftsgebaren, sondern mehr noch die Bedeutung der Bauern als unermüdliche Wehrleute im Zivilschutz und die emsige Kulturpflege in den Musikkapellen und hunderten von Kulturellen und gemeinnützigen Vereinen . Der klassische Spruch „Schweizer Art ist Bauernart“ gilt daher ungebrochen auch für Südtirol.

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