Merans Bürgermeister Dario Dal Medico stellt sich den Wählern und zeigt sanfte Kante.
Ein guter Bürgermeister
Seit 2021 hat Meran einen italienischen Bürgermeister, den Rechtsanwalt Dario Dal Medico von der Liste „La Civica“. Zusammen mit der verbündeten „Alleanza“ und der Unterstützung der italienischen Rechtsparteien steht Dal Medico der stärksten politischen Formation vor, im Rathaus unter den Lauben. Der Neukommer von damals hat seine Feuertaufe in der halb deutschen, halb italienischen Fremdenverkehrs- und Schul-Stadt an der Passer gut hingekriegt. Zusammen mit der „deutschen“ SVP zimmerte sich Dal Medico ein stabiles Regierungsbündnis. Das ermöglichte eine sachbezogene, ja sogar „stille“ Tagesarbeit, ganz nach dem Geschmack des 57jährigen Freiberuflers. Was an sich schon eine Belobigung ist in Anbetracht der stets aufgeregten, hyperemotionalen und „Ich“-betonten politischen Konkurrenz.
Die „deutsche Bürgermeisterin“
Taktisch gesehen, hat sich Dal Medico mit seiner Uneitelkeit einen (vorläufigen) Nachteil eingehandelt. Ausgehend vom 50%-Bevölkerungsanteil der „Deutschen“ in der Stadt und von der Vorstellung, dass sein Koalitionspartner noch die Sammelpartei der Südtiroler sei, räumte er dem „deutschen“ Juniorpartner SVP einen Stellenwert ein, der größer war als dessen Wahlergebnis. So konnte SVP-Frontfrau Katharina Zeller leicht in die Rolle einer de facto Bürgermeisterin für die deutsche Sprachgruppe schlüpfen (mit voller Rückendeckung der ‚Dolomiten-Luise‘).
Die „Machiavellianerin“
Den von Dal Medico gehaltenen Steigbügel hat die ehrgeizige, junge Rechtsanwältin Zeller reichlich schlecht gedankt. Die gewonnene Bühne benutzte die Tochter eines „Machiavellianers“, wie sie ihren Vater Karl Zeller (SVP) nannte (richtig heißt es auf Deutsch „Machiavellist“) für ein gewagtes Manöver. Nach drei Jahren der Zusammenarbeit bezichtigte sie die Stadtregierung und Dal Medico des „Stillstands“: Stillstand als verhüllendes Wort für Unfähigkeit. Und das – der echte Machiavelli müsste schmunzeln – als ob sie selbst und ihre SVP nicht mit in der Regierung, sondern in der rotgrünen Opposition säßen.
Grüne Spielverderber
Dass Vorwürfe dieser Art reichlich ungeschickt sind, wurde der Edelweißdame mit dem Witwe-Bolte-Kopftuch als Markenzeichen postwendend attestiert, als sie den Grünen über die Presse eine zukünftige „Mitarbeit“ anbot. Es kam ein schroffes Nein von Rösch & Rohrer, der zuletzt nominell stärksten Einzelliste Merans. Die Abfuhr verwundert nicht, hatte Zeller 2021 die beiden doch im Vize-Poker ausgebootet. Unverdrossen bewirbt sich nun die Zellerin bei den Gemeindewahlen 2025 für das Amt des Bürgermeisters: Gegen ihren Regierungspartner Dal Medico und gegen die mächtige Opposition der Rotgrünen mit deus ex machina Ulrike Ceresara.
Wer spielt „Schifflen versenken“?
Das missglückte Links-Manöver der Katharina Zeller und ihres Co-Piloten Reinhard Bauer wird wohl damit enden, dass die SVP (deren Stern schon seit Jahren im Sinkflug ist) sich nach geschlagener Wahl im Mai 2025 dem wiedergewählten Dal Medico wird unterordnen müssen. Es sei denn, das SVP-Gespann Zeller/Bauer macht Harakiri und dient sich dem Linksblock an. (‚Hobm konnsch oltz ba dia‘).
Heimliche Revanche für Schenna
Das buchstäblich verrückte Verhalten von SVP-Zeller und SVP-Genossen Reinhard Bauer (siehe auch Cafa) hat seinen tieferen Grund in dem für sie schlechten Ausgang des Kampfes um die geplante Standseilbahn von der Karl-Wolf-Straße nach Schenna. Bürgermeister Dario Dal Medico und seine Italiener hatten den Ausschlag für das Njet der Stadt Meran zum pompösen Vorhaben des Landes gegeben. Katharina Zeller und Reinhard Bauer hatten bis zuletzt intensiv für diese, bitte um Nachsicht, grandiose Schnapsidee getrommelt. Das Meraner Nein der Italiener ist für sie nicht das letzte Wort. Im Verbund mit dem düpierten Landesrat Alfreider spitzen sie auf die Abwahl Dal Medicos, um endlich doch noch ein weiteres Loch in den Küchelberg graben zu dürfen.
An der Bordsteinkante
Wie die „Wohlfühl“-Ceresara auf der linken Überholspur zeigt, haben Zeller/Bauer ihre taktischen Schritte falsch angesetzt für die von ihnen gewünschte Mitte-Links-Koalition inklusive SVP. Und, was viel schwerer wiegt, sie haben auf der eigenen Seite einen kollegialen Partner desavouiert. Dario Dal Medico jedenfalls hat im Interview für die „Dolomiten“ (die Luise, am 5.2.25) der „deutschen Bürgermeisterin“ von seinen Gnaden sanft, aber unmissverständlich die Bordsteinkante gezeigt. Mit der SVP wolle er gerne zusammenarbeiten, sie sei der „ideale Partner“. Von Zeller hieß es lediglich, „mal sehen“.